"Kann das Qi frei fließen, gibt es keinen Schmerz" - Schmerz aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin

Das wichtigste Element in der Chinesischen Medizin ist Qi, die Lebensenergie. Qi zirkuliert in einem vielverzweigten energetischen Netzwerk durch den Körper. Fließt Qi in diesem Netzwerk frei und ungehindert, wird der ganze Körper mit allen Organen und Geweben optimal mit Qi und Blut versorgt. Wird dieser gleichmäßige Fluss gestört oder blockiert, etwa durch Kälte, Verletzung, Fehlbelastung, emotionale Anspannung oder ungeeignete Ernährung, können Schmerzen entstehen. 

Schmerz ist nicht gleich Schmerz

Es gibt sehr viele und sehr unterschiedliche Formen und Ausprägungen von Schmerz. Alle Menschen haben mit Schmerzen ihre ganz persönlichen Erfahrungen. Für mich als Heilpraktikerin gilt es herauszufinden, wo und wie genau der Schmerz bei Ihnen weh tut. Meine Patienten beschreiben stechende, klopfende und ausstrahlende Schmerzen, die vom oberen Rücken bis in die Beine reichen, einseitigen Kopfschmerz, drückenden und ziehenden Schmerz. Ich frage, „Wie verändert sich der Schmerz? Wird er bei feuchtem Wetter schlimmer und ist er nach Bewegung kaum noch spürbar?“ Diese Angaben plus weitere körperliche und emotionale Empfindungen wie „Ich fühle mich immer sehr müde“ oder „Ich habe oft einen kalten Rücken“ sind für mich wichtige Hinweise dafür, wie der Schmerz entsteht und wie ich ihn nach der Traditionellen Chinesischen Medizin behandeln kann.

Das Ziel einer Behandlung ist die Aufhebung der Blockaden. Der Schmerz meiner Patienten kann gelindert werden oder auch ganz verschwinden, wenn die Ursache erkannt ist und das Qi wieder fließt.
Die Basis meiner Behandlung ist die Akupunktur, die ich je nach Diagnose mit Tuina-Massage, Gua-Sha, Schröpfen oder Moxibustion ergänze.

Akupunktur
Vor allem bei Rückenschmerzen ist Akupunktur ein wirksames Mittel. Aber bei auch Kopfschmerzen und Migräne, Schmerzen im Bereich der Schulter, Tennisellbogen, Krämpfe während der Menstruation und Bauchschmerzen kann ich mit Akupunktur gute Behandlungsergebnisse erreichen. Ich setze feine Nadeln an spezifische Punkte des Körpers. Diese Akupunkturpunkte befinden sich auf den Meridianen, das sind die Bahnen, die unser energetisches Netzwerk bilden und durch die das Qi zirkuliert. Dadurch können alle Bereiche des Körpers angesprochen, eine regulierende Wirkung auf die Körperfunktionen in Gang gebracht und der Heilungsprozess unterstützt werden.

Tuina-Massage
Tuina ist eine traditionelle manuelle Therapie in der Chinesischen Medizin. Der Name besteht aus der bildhaften Beschreibung wesentlicher Behandlungstechniken: Tui = schieben, stoßen Na = greifen, nehmen, anheben. Die Tuina-Therapie umfasst muskuläre Massage, chiropraktische Manipulationen, aktive und passive Gelenkmobilisation sowie Akupressur entlang der Leitbahnen (Meridiane) und deren Punkten. Zusammengefasst wird das Tuina-Massage genannt, da die Massage einen großen Anteil an der Behandlung ausmacht. Mit der Tuina-Therapie sollen insbesondere der Qi- und Blut-Fluss aktiviert und harmonisiert werden. Sie löst Verspannungen und Verhärtungen der Muskulatur, lindert Schmerzen, reguliert und mobilisiert die Körperfunktionen. Eine gute Durchblutung unterstützt zum Beispiel verletztes Gewebe bei der Heilung.

Gua Sha
Gua-Sha ist eine Schabe-Technik, mit der ich bei meinen Patienten einen „Ausschlag“ herbeiführe. Gua = schaben, kratzen, Sha = Sand. Dazu benutze ich einen flachen Schaber aus Wasserbüffelhorn. Ich ziehe oder schiebe ihn über die Hautoberfläche und löse damit einen lokalen Reiz aus. Dieser Sha-Ausschlag hat eine Beschaffenheit wie Sand auf der Haut. Er verschwindet in der Regel innerhalb der nächsten zwei oder drei Tage. Gua-Sha setze ich bei Schmerzen oder Einschränkungen des Bewegungsapparates ein, einerlei ob sie akut oder chronisch sind.

Moxibustion
Moxibustion ist eine Wärme-Therapie. Die Blätter der Artemisia-Pflanze werden getrocknet, fein gemahlen und zum Beispiel zu Moxastangen geformt. Diese zünde ich an und halte sie über der Haut an einem speziellen Punkt oder über ein schmerzendes Hautareal. Die Wärme, die beim Verbrennen der Moxastange entsteht, dringt in die Tiefe ein. Diese Methode wende ich zum Beispiel bei akuten oder chronischen Rückenbeschwerden an, die durch Mangel an Wärme entstanden sind.

Schröpfen
Beim Schröpfen werden sogenannte Schröpfköpfe - ich verwende glockenförmige Gläser - auf die Haut gesetzt. Dadurch entsteht ein Unterdruck, durch den die Therapie ihre Wirkung erzielt. Nicht nur in China hat das Schröpfen eine alte Tradition, auch in Griechenland wurden Patienten bereits in der Antike mit Bambus und Tierhörnern geschröpft. Mit dieser Methode können reflektorische Wirkungen auf die inneren Organe erreicht werden, der Stoffwechsel und das Immunsystem angeregt werden, aber auch Muskelverspannung und Schmerzen gelindert werden.

Tuina-Massage, Gua-Sha, Moxibustion und Schröpfen wirken über die Behandlung an der Oberfläche insbesondere auf die Haut, das Bindegewebe und die Muskulatur ein. Ihre Wirkung erreicht aber auch die inneren Körperfunktionen. 

 

Das Gleichgewicht wieder herstellen

Die Stärke der Traditionellen Chinesischen Medizin liegt in der umfassenden Behandlung des Menschen von Körper, Geist und Seele. Als ganzheitliche Medizin sind neben rein körperlichen Symptomen auch emotionale Belastungen, Lebensweisen und Ernährungsgewohnheiten wichtige Aspekte, die in eine Behandlung einfließen. Dieser ganzheitliche Ansatz hilft die Ursachen für die Störungen zu finden, sie zu behandeln und das Gleichgewicht wieder herzustellen.

Der Schmerz kann gelindert werden oder ganz verschwinden, wenn das Gleichgewicht des Körpersystems wieder hergestellt ist.

Grundsätzlich gilt bei allen Behandlungsmethoden das gleiche Prinzip: Es geht um die Beseitigung von Blockaden und die Wiederherstellung des reibungslosen Fließens von Qi und Blut. Wo ein Zuviel vorliegt, wird reduziert – wo ein Mangel herrscht, wird gestärkt.

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